7. Februar 2026: 15 Jahre Solopreneur

Ein kurzer Rückblick zum Einstieg

Ich habe in meinem Beitrag zum 10-jährigen Jubiläum sehr persönlich auf meinen Start in die Selbstständigkeit im Februar 2011 zurückgeblickt, als ich bei einem Schweizer IT-Service-Provider in Zürich als IT-Service-Management-Berater begonnen habe. Ich habe in diesem Rückblick auch offen über die wirtschaftliche Seite geschrieben: Mein zunächst stolz verhandelter Stundensatz relativierte sich schnell durch die hohen Lebenshaltungskosten in Zürich, von einer Vollkostenbetrachtung (mit langen Bahnfahrten) ganz zu schweigen. Gleichzeitig blieb das gute Gefühl, für eine sinnvolle, anspruchsvolle Tätigkeit bezahlt zu werden, die fachlich solide Ergebnisse mit echter Wirkung verbindet.

Zum Schluss habe ich in dem Beitrag vor allem eins getan: Ich habe mich bedankt. Ich habe mein Netzwerk, das heißt alle Menschen, mit denen ich zusammenarbeite ausdrücklich als Teil meines Erfolgs gewürdigt und damit deutlich gemacht, dass ich meinen Weg als vernetzter, empathischer Solopreneur verstehe, für den Beziehungen, Inspiration und Begleitung genauso wichtig sind wie Umsatz, Expertise und Projekte. Dieser Beitrag soll nun weitere Facetten meines Lernens und meiner Entwicklung beleuchten.

Was ich nicht wusste, als ich anfing

Finanzielle Krisen

Mein Start in die Selbstständigkeit wurde durch staatliche Unterstützung begleitet. Dazu musste ich auch einen Business Plan erstellen. Dieser wurde vom Gutachter ausdrücklich gelobt. Was nicht darin stand war eine Antwort auf mögliche Auftragsflauten. In den 15 Jahren hatte ich zweimal finanzielle Krisen zu bewältigen. In beiden Situationen musste ich die letzten finanziellen Reserven angreifen bzw. aufbrauchen und es war eine enorme persönliche Belastung. Angst und Perspektivlosigkeit sind schlechte Ratgeber und trotzdem konnte ich in beiden Fällen diese Gefühle nicht einfach so beiseiteschieben. Ich habe mich durchgekämpft und an mich und meine berufliche Zukunft geglaubt. Gerettet wurde ich in einem Fall von einem langjährigen Kunden, der nach 3 Jahren Auftragspause von sich aus wieder auf mich zukam. Und im anderen Fall kam ein frischer Kontakt aus meinem Netzwerk mit einem Großauftrag auf mich zu. Rückblickend finde ich es interessant, dass meine vertrieblichen Bemühungen für neue Aufträge durch Telefonate und Bewerbungen auf Marktplätzen nicht erfolgreich waren, sondern meine Person „da draußen“ bekannt war und angefragt wurde.

Menschliche Eigenschaften

Mein Business Plan beinhaltete Beratung als eines meiner Kernthemen. In den Jahren danach kamen verstärkt Training und vor allem Coaching dazu. Ich habe seit 2014 verschiedene Transformationsprojekte begleitet. Dabei wäre ich mit einer reinen Fach-Expertise schnell an Grenzen gestoßen. Ich erlebte Dynamiken und menschliche Bedürfnisse, für die ich als klassischer IT-Berater noch kein Handwerkszeug gehabt hätte und war froh über meine Ausbildung zum Business Coach. Claudia* und Jochen* (* die Namen sind selbstverständlich verändert) waren in einem Scrum-Team, das ich knapp 2 Jahre begleitet habe. Diese beiden stehen exemplarisch für Menschen, die in Veränderungsprozessen nicht wahrgenommen und nicht mitgenommen werden.

Ihre Führungskraft war einerseits unfähig, den persönlichen Problemen von Claudia adäquat zu begegnen und andererseits die Arbeitsunlust von Jochen zu erkennen und die Ursachen zu erkennen, um diese zu beseitigen. Ich habe mit beiden viele Gespräche geführt und dabei tiefe Einblicke bekommen. Claudia war mit der neuen „agilen“ Arbeitsweise überfordert. Anstatt einer Selbstorganisation benötigte sie klare Regelungen, Strukturen und eine detaillierte Umsetzungsvorgabe, deren Einhaltung überprüft wurde. Jochen fühlte sich nicht wertgeschätzt und konnte seine Expertise nicht in dem Maße einbringen, wie er es gerne getan hätte. Crossfunktionale Teams mit T-Shape-Skills waren nicht sein Ding. Er wollte gern als Spezialist in Projekte eingebunden werden und selbst das Arbeitstempo bestimmen.

Während Claudia nicht verstehen konnte, dass Jochen seine Arbeit nicht schafft, weil er den ganzen Tag im Internet herumsurfte (sie konnte das von ihrem Platz gut beobachten), konnte Jochen nicht nachvollziehen, was Emotionen und Teamarbeit bei der Arbeit zu suchen haben (Claudia verließ einige Male weinend die Retrospektive).

Preisverhandlungen

Mein Business Plan beinhaltete auch nicht die Antwort auf die Problematik von Kunden, die die Preise drücken wollen. Für mich war klar, dass ich „mein Geld wert bin“ und Diskussionen darüber kratzten vielleicht auch an meinem Selbstbewusstsein. Zu Beginn habe ich manchmal bei Preisverhandlungen nachgegeben und mir das im Nachhinein selbst schöngeredet. Irgendwann kam ich an den Punkt, an dem ich für mich persönlich meinen Wert erkannt habe und diesen Wert auch verkauft habe. In einem ganz speziellen Fall wurde ich als FitSM-Trainer und Berater von einem mittelständischen Unternehmen angefragt. Es wurden einige vorbereitende Gespräche geführt und ich hatte mein erstes Angebot mit Trainingsinhalten und einer begleitenden Beratung für die Umsetzung noch einmal inhaltlich geschärft. Dann kam folgende E-Mail vom IT-Leiter (mit dem Chef-Einkäufer in Kopie):

Hallo Herr Söllner,

vielen Dank für Ihr überarbeitetes Angebot sowie das angenehme und konstruktive Gespräch. Ich schätze Ihre strukturierte Herangehensweise und Ihre Klarheit sehr. Ich würde Ihre Leistungen grundsätzlich gerne in Anspruch nehmen und freue mich auf eine Zusammenarbeit. Die FitSM Foundation-Schulung ist ein sinnvoller erster Schritt, den wir in dieser Form gemeinsam umsetzen können.

Bevor wir beauftragen, bitte ich jedoch noch um eine kommerzielle Anpassung in zwei Punkten:

Beratung/Vorbereitung: Der aktuell angesetzte Tagessatz von xxxx€ erscheint mir für die vorwiegend organisatorischen Vorbereitungsleistungen nicht angemessen. Ich würde vorschlagen, dass dieser Teil nicht pauschal, sondern nach tatsächlichem Aufwand abgerechnet wird – auf Basis eines Tagessatzes von yyyy(Erläuterung für diesen Beitrag: Reduktion um knapp 30%!).

Gesamtrabatt: Da ein Großteil der Prüfungs- und Lizenzkosten vermutlich direkt an die Zertifizierungsstelle weitergereicht wird – was ich ausdrücklich nachvollziehe – würde ich mich über einen pauschalen Nachlass von 10% auf das Gesamtangebot freuen, um das Vorhaben auch wirtschaftlich rund abzubilden.

Sobald Sie mir eine entsprechend angepasste Version des Angebots zukommen lassen, können wir die Beauftragung kurzfristig finalisieren.

Ich freue mich auf die Zusammenarbeit.

Meine Antwort war eine freundliche Absage. Ich habe mich eine Nacht und einen Tag darüber geärgert, einen interessanten Auftrag verloren zu haben. Gerne hätte ich bei diesem namhaften Kunden meine Trainingsergebnisse auch in einer Umsetzungsphase begleitet. Doch dieses negative Gefühl verwandelte sich in Stolz darauf, meinen Wert erkannt zu haben und das auch durchgezogen zu haben. Heute fallen mir Absagen aufgrund „unpassender Preise“ einfacher.

Die Projekte, die mich geformt haben

Ich lehne langlaufende Großprojekte ab

Nach meinem ersten Projekt im Jahr 2011 beim IT-Service Provider folgten knapp 4 Monate mit wenigen kleineren (und schlecht bezahlten) Aufträgen. Dann winkte ein Vollzeit-Projekt bei einem süddeutschen Automobilhersteller in der strategischen Produktplanung. Ich freute mich über die spannende Aufgabe (mal wenig mit IT) und die gesicherte Auslastung. Zwei Jahre habe ich in diesem Projekt viel gelernt und auch den damaligen Vorstandsvorsitzenden regelmäßig in der Kantine gesehen. Einige meiner Kollegen konnten nicht verstehen, dass ich eine Übernahme in die Festanstellung ablehnte. In diesem Projekt wurde mir bewusst, was solche Langläufer für mich, meine Erfahrung und meine persönlichen Ziele bedeuten. Ich habe für mich aus diesem Projekt schon nach kurzer Zeit gelernt, dass ich lieber kleinere Aufträge bearbeiten möchte und für einen Kunden in einem Projekt maximal 8-10 Tage pro Monat zur Verfügung stehe. Mir ist Flexibilität, der Aufbau meiner Expertise in verschiedenen Themenfeldern und vor allem die externe Sicht auf meine Auftraggeber und persönliche Unabhängigkeit wichtiger.

Meine Mission: Menschen und Teams stärken – empathisch und kompetent

Ein sehr interessanter Auftrag hat vor einigen Jahren meine jetzige Mission bestätigt. Ich habe für einen großen deutschen Service Provider für ein neu gegründetes DevOpsTeam in Budapest einen Workshop durchgeführt. In drei Tagen haben wir die DevOps-Simulation „The Phoenix Project“ gespielt und wichtige DevOps-Inhalte gemeinsam erarbeitet. Dieses Team bestand aus vielen neuen Mitarbeitenden. Meine Aufgabe war es, diesen Menschen das Thema DevOps so näher zu bringen, dass sie sich im DevOps-geprägten Konzern zurechtfinden, Auftragsanfragen bearbeiten können und die Projekte selbstständig umsetzen können. Ich habe in diesen drei Tagen wirklich gespürt, was es bedeutet, den Menschen einerseits Wissen zu vermitteln und andererseits sie in ihrem Selbstwert zu bestärken. Ich habe gespürt, wie diese Experten mehr und mehr aufgetaut sind und ihre anfängliche Skepsis durch interessierte und tiefgehende Fragen abgelöst wurde.

Meine Lehren aus Corona: Beratung, Training und Coaching geht auch online

Die Corona-Pandemie war natürlich kein klassisches Projekt. Trotzdem möchte ich sie an dieser Stelle als prägend für mich beschreiben. Ich weiß noch, wie ich am Montag, den 16. März 2020 bei meinem damaligen Auftraggeber morgens im Büro meinen Platz einnehmen wollte. Ich hatte in den Tagen vorher irgendetwas von irgendwelchen Viren und einer tödlichen Gefahr gehört. Aber die Maßnahmen der Bundesregierung kamen doch etwas überraschend für mich. Mein Auftraggeber schickte mich (wie alle Mitarbeitenden) umgehend nach Hause. Wir vereinbarten, alle Termine ab sofort online durchzuführen und am nächsten Dienstag hatte im um 9:30 Uhr mein erstes online Coaching für einen jungen Scrum Master. Das war der Beginn einer knapp siebenmonatigen Phase, in der ich alle Coachingtermine und die Unterstützung des Transformationsprojektes online durchgeführt habe, bevor das Projekt erfolgreich abgeschlossen wurde.

Ebenso musste ich im März 2020 innerhalb von 10 Tagen eine dreitägige Vorlesung in den virtuellen Raum verlegen, ebenso wie eine Scrum-Schulung für einen öffentlichen Auftraggeber. Aus diesem „Notbetrieb“ habe ich so viel gelernt, dass ich meine Trainings heute bevorzugt online durchführe. Präsenztermine sind selbstverständlich auf Wunsch meiner Kunden immer noch möglich.

Meine Mission betont den menschlichen Faktor in meiner Arbeit. Ich sehe meine Coachees und die Teilnehmenden meiner Trainings als Individuen, die ich mit Wissen versorge und bei denen ich persönliche Kompetenzen aufbaue. Das geht insbesondere bei Teams in Präsenz besser. Ich kann als Trainer und Coach über verschiedene Sinne und Signale ein viel intensiveres Gefühl bekommen und die Situation sowie Befindlichkeiten besser beurteilen. Trotzdem haben die Erfahrungen aus der Corona-Zeit gezeigt, dass Coaching und Training auch online möglich sind. Mit der entsprechenden Vorbereitung und passenden Werkzeugen kann man gute Erfolge auch über Bildschirme erzielen.

Menschen, die meinen Weg geprägt haben

Detlef Peter

Ich bezeichne Detlef Peter als meinen ersten beruflichen Mentor, auch wenn man das damals noch nicht so bezeichnet hat. Und auch wenn die Zeit mit ihm von 1992 bis 1996 nicht in meine selbstständige Zeit ab 2011 passt, habe ich von ihm sehr viel Prägendes mitbekommen. Detlef Peter hat mich immer unterstützt und mir dort Hilfe gegeben, wo ich sie benötigte. Auch wenn ich es selbst vielleicht nicht bemerkt habe. Er hat mir anspruchsvolle Aufgaben gegeben, die ich nach intensiver Planung und Vorbereitung mit ihm dann weitgehend selbstständig ausführen konnte. Er hat es verstanden, mir das Gefühl zu geben, alles selbst zu machen und die Situation jederzeit im Griff zu haben, auch wenn er im Hintergrund aktiv geholfen hat oder einfach nur kurze Telefonate zur Rückversicherung zu führen. Noch heute stehe ich mit Detlef Peter in Kontakt und wir treffen uns einmal im Jahr. Er hat mir vorgelebt, was nachhaltige Beratung wirklich ausmacht: Gemeinsam intensiv planen, sich dann als Experte bewusst in den Hintergrund zurücknehmen und das Team des Kunden glänzen lassen.

Thomas Schürmann

Wer Thomas Schürmann kennt, weiß das er ein Unikat ist. Fachliche Expertise gepaart mit manchmal „polterndem“ extrovertierten Verhalten. Seine Kunden schätzen ihn genau für das, nämlich fundierte Beratung basierend auf langjährigen und vielfältigen Erfahrungen in Verbindung mit der Einstellung, Missstände in Organisationen schonungslos aufzudecken und anzusprechen. Und trotz der direkten und unmissverständlichen Kommunikation hat Thomas Schürmann immer den Menschen im Blick. Er hat Verständnis für die handelnden Personen in Organisationen und versucht sie auf seine Art zu besserer Arbeit und besseren Ergebnissen zu bringen. Auch mit Thomas Schürmann telefoniere ich von Zeit zu Zeit. Er hat mir gezeigt, dass echte Klarheit in Projekten manchmal wehtun muss, um etwas zu bewegen. Das kann jedoch nur funktionieren, wenn sie von echtem Verständnis für die handelnden Personen getragen wird.

Jan Schilt

Jan Schilt hat mir durch seine Art und seine Arbeit gezeigt, dass Wissensvermittlung viel nachhaltiger und intensiver läuft, wenn man spielerisch vorgeht. Die verschiedenen Simulationen von GamingWorks vermitteln auf durchdachte und fundierte Art Wissen zu IT-Frameworks wie DevOps, SAFe oder FitSM. Ich bin ein Freund des Konzeptes „Training from the back of the room“, bei dem der Trainer in den Hintergrund tritt und die Lernenden sich den Stoff praktisch selbst erarbeiten. Bei Zertifizierungsseminaren ist dieses Konzept aufgrund der engen Zeitpläne und Vorgaben selten durchsetzbar. Die Simulationen von Jan Schilt als Gründer von GamingWorks schaffen es, mir als Dozent Raum zu geben für meine Wissensvermittlung und das Erleben der wichtigsten Aussagen der IT-Frameworks. Von ihm habe ich gelernt: Wenn der Trainer schweigt und das Team spielt, passiert die eigentliche Magie.

Was ich heute anders sehe als vor 15 Jahren

Sinnhafte Tätigkeit anstatt klassischen Erfolgs

Vor 15 Jahren (und davor) habe ich Erfolg vor allem an der Höhe meiner Rechnungen gemessen. Mein Ziel waren ein voller Kalender, gute Tagessätze und zufriedene Kunden. Heute bin ich mir bewusst, dass das natürlich wichtig ist. Aber es ist nicht das Entscheidende, nicht das, was wirklich Erfüllung bringt. Erfolg bedeutet für mich inzwischen, nach einem Coaching oder Training das Gefühl zu haben: Da ist wirklich etwas passiert. Nicht nur auf dem Flipchart oder im digitalen Conceptboard, sondern im Kopf und in der Haltung der Menschen, mit denen ich gearbeitet habe. Diese Verschiebung von Quantität zu Wirkung klingt banal und es war nicht leicht. Aufträge abzulehnen ist so eine Sache (siehe oben meine Gedanken zum Thema Preisverhandlungen) vor allem, wenn man selbstständig ist und der nächste Auftrag nicht automatisch kommt. Ich habe gelernt: Wenn mein Bauch schon beim ersten Gespräch „nein“ sagt, sollte ich auf ihn hören. Ein Auftrag, der mich nicht packt und bei dem ich keinen echten Unterschied mache, nützt am Ende niemandem und mir am wenigsten.

Warum gute Fragen mächtiger sind als fertige Antworten

Ich war früher davon überzeugt, dass ich als Berater und Trainer vor allem (richtige) Antworten liefern muss. Kompetenz bedeutete für mich: Wissen, Methoden, Konzepte. Heute ist mir klar, dass die besten Momente in meiner Arbeit nicht entstehen, wenn ich etwas erkläre, sondern wenn ich eine Frage stelle, die jemanden ins Nachdenken bringt oder ihn selbst auf die Lösung seiner Frage bringt. Empathie war für mich am Anfang etwas, das ich für selbstverständlich hielt und dass ich erst heute sehr gut erklären kann. Inzwischen verstehe ich sie als eine täglich zu pflegende Haltung gegenüber Menschen, nicht als angeborene Eigenschaft. Ich kann mich heutzutage viel besser auf Menschen einlassen und positive Dinge aus ihrem Verhalten und Aussagen ableiten. Und ich habe zwei Dinge gelernt: Wer wirklich zuhört, braucht oft weniger Worte und erzielt mehr Wirkung. Und ich kann die Aussage „Wer fragt, der führt!“ nachvollziehen.

Vom Lösungs-Lieferanten zum Prozessbegleiter

Ich bin als Experte und Berater aus dem Angestelltenverhältnis in meine Selbstständigkeit mit der Einstellung gestartet, schnell zu analysieren, Optionen aufzuzeigen und möglichst schnell „eine gute (und richtige) Lösung“ zu liefern. Das habe ich im ersten Projekt in Zürich unter Beweis gestellt. Mit der Zeit habe ich gemerkt, dass nachhaltige Veränderung in Organisationen oft dann entsteht, wenn Menschen ihre eigenen Antworten finden. Das bedeutet, dass ich nicht die perfekte Folie oder den besten Vorschlag präsentieren muss. Coaching verstehe ich heute deshalb viel stärker als Prozessbegleitung auf Augenhöhe. Ich fördere Selbstreflexion und unterstütze meine Coachees dabei unterstützt, eigene Lösungen zu entwickeln, statt dass ich ihnen fertige Empfehlungen gebe. In meinen Trainings und Coachings zeigt sich das ganz praktisch: Ich halte Fragen länger offen, arbeite mehr mit Hypothesen (oder provokanten Aussagen) als mit Wahrheiten und gebe dem gemeinsamen Denken mehr Raum als meiner Expertise.

Ausblick

In den nächsten Jahren will ich noch klarer auswählen, wofür ich meine Zeit einsetze: weniger „irgendwas mit Change“, sondern mehr Vorhaben, bei denen Menschen und Teams wirklich Verantwortung übernehmen wollen und Veränderung nicht nur beschlossen, sondern gelebt wird. Ich möchte stärker entlang meiner Mission „Menschen und Teams stärken, empathisch und kompetent“ arbeiten und dabei Formate weiterentwickeln, die Wirkung auch zwischen den Terminen erzeugen: mehr nachhaltige Lernreisen, mehr Transfer in den Alltag, weniger einmalige „Event-Trainings“. Und ich will mutiger werden, meine Haltung auszusprechen, auch wenn sie nicht jedem gefällt, weil Klarheit am Ende freundlicher ist als Anpassung.

Was ich gelernt habe und weitergeben will: Veränderung beginnt selten mit dem perfekten Konzept, sondern mit dem ersten ehrlichen Gespräch. Wirkliche Fortschritte entstehen, wenn wir Selbstreflexion ermöglichen und Menschen ihre eigenen Lösungen entwickeln lassen statt ihnen Lösungen „überzustülpen“. Ich habe außerdem gelernt, dass Empathie und Ergebnisorientierung keine Gegensätze sind: Wer gut zuhört, kann präziser intervenieren. Und schließlich: Partnerschaften und Netzwerke sind kein „Nice-to-have“, sondern Stabilität und Wachstum zugleich – gerade dann, wenn es komplex wird.

Und ein besonderes Datum habe ich mir schon errechnet und im Kalender eingetragen:

am 14. April 2029 wird meine Solopreneur-Zeit länger andauern
als meine Angestelltenzeit (genau: 6.641 Tage).

An diesem Tag werde ich exakt 18 Jahre, 2 Monate und 6 Tage selbstständig sein, genau einen Tag länger Solopreneur als Angestellter. Das ist doch mal ein Ziel, oder?