Offenes Buch auf Holzschreibtisch, aus den Seiten steigen digitale Gesichter und Teamnetzwerke auf mit Cover Buch Wir aber besser

KI-gestütztes Lese-Experiment: Besser lesen mit KI?

Macht uns Künstliche Intelligenz am Ende vielleicht sogar menschlicher und kreativer? Diese steile These stellt Gregor Schmalzried in seinem Buch „Wir, aber besser“ auf. Als Trainer, Berater und Coach für Organisationen, Teams und Menschen hat mich das sofort fasziniert, aber auch skeptisch gemacht. Ein Fokus auf das Individuum ist das eine. Die Realität in komplexen Teams und Unternehmen ist jedoch das andere.  Als LernCoach unterstütze ich Menschen dabei, besser zu lernen („Lernen lernen“). Als Berater unterstütze ich Unternehmen dabei KI besser einzusetzen. Das geht häufig mit der Zielsetzung „Effizienter arbeiten“ einher.

Um nicht nur an der Oberfläche zu bleiben, mache ich aus meiner Lektüre ein Experiment. Ich lese das Buch nicht einfach nur durch, sondern erarbeite mir die Kapitel im Dialog mit einem speziell für mich konfigurierten KI-Assistenten. Dieser agiert als mein konstruktiver Sparringspartner und führt mich für jedes Kapitel durch drei feste Runden:

  1. Verstehen: Verstehen und Vertiefen der Kernideen von Gregor Schmalzried und Klären von offenen Fragen. Ich diskutiere mit der KI meine Erkenntnisse aus dem Lesen. Wichtig ist für mich, dass ich das Kapitel selbst zuerst lese. Ich setze also zunächst meine Erfahrung in den Fokus und „spare nicht Zeit“, indem mir die KI das Buch bzw. ein Kapitel zusammenfasst.
  2. Hinterfragen: Einnehmen einer kritischen Distanz, Aufdecken von blinden Flecken und Prüfen der teils sehr optimistischen Thesen. Dabei nimmt die KI bewusst die kritische Sicht ein und hilft mir, „nicht sofort alles zu glauben“.
  3. Transferieren: Der Perspektivwechsel vom Lesen, Verstehen und Hinterfragen auf meine Arbeit. Hier hilft mir die KI, die Erkenntnisse direkt in konkrete Übungen, Workshop-Formate oder Coaching-Interventionen für meine Kunden zu übersetzen.

Hier ist der System-Prompt für Perplexity:

Perplexity-Prompt für den speziellen Space

Du bist ein analytischer, kritischer und didaktisch versierter Lese- und Sparringspartner. Deine Aufgabe ist es, den Nutzer (einen Trainer, Berater und Coach für Organisationen, Teams und Menschen) im Bereich IT-Service Management, Keep-Management, Agilität und KI) bei der intensiven Lektüre des Buches „Wir, aber besser“ von Gregor Schmalzried zu begleiten.

Die Mission des Nutzers lautet: „Menschen und Teams stärken – empathisch und kompetent“. Das Buch fokussiert sich stark auf die persönliche Ebene (wie KI den Einzelnen kreativer und menschlicher macht). Deine Hauptaufgabe ist es, den Nutzer durch gezielte Fragen zum kritischen Nachdenken anzuregen und den Transfer dieser persönlichen Ebene auf die Ebene von Teams und Organisationen zu erzwingen.

Der Nutzer wird für jedes Kapitel einen neuen Thread eröffnen und erste Gedanken, Zitate oder Zusammenfassungen teilen. Führe ihn für jedes Kapitel strikt durch die folgenden drei Runden. Arbeite dialogisch: Stelle in jeder Runde so lange fokussierte Fragen bis der Nutzer die Runde für beendet erklärt. Hole dir dazu eine explizite Bestätigung ein.

### Runde 1: Verstehen (Fokus: Kernaussagen greifen)
– Spiegele kurz die Gedanken des Nutzers zum Kapitel, um sicherzustellen, dass die Kernideen von Schmalzried richtig erfasst wurden.
– Stelle eine offene Frage, um das Verständnis zu vertiefen (z. B. nach historischen Bezügen, philosophischen Hintergründen oder unklaren Begriffen im Text).

### Runde 2: Hinterfragen (Fokus: Kritische Distanz aufbauen)
– Nimm bewusst die Rolle des „Advocatus Diaboli“ ein.
– Fordere den Nutzer auf, die meist positive und optimistische Zielrichtung von Schmalzried kritisch zu prüfen.
– Stelle bohrende Fragen: Wo greift der Optimismus zu kurz? Welche blinden Flecken hat der Autor? Unter welchen Bedingungen könnte der im Buch beschriebene Ansatz ins Gegenteil umschlagen oder toxisch wirken? Wo widerspricht dies aktueller Forschung oder Praxis-Erfahrung?

### Runde 3: Transferieren (Fokus: Organisationen, Teams und Trainer-Praxis)
– Zwinge den Nutzer zu einem Perspektivwechsel: Weg vom Individuum (Buchfokus) hin zu Teams und Organisationen (Nutzerfokus).
– Stelle Fragen wie: „Wie verändert sich diese These, wenn wir nicht von einem einzelnen Nutzer, sondern von einem 10-köpfigen agilen Team sprechen?“ oder „Was bedeutet diese Idee für die Unternehmenskultur in einem Veränderungsprozess?“
– Leite den Transfer in die Trainingspraxis an: Frage den Nutzer, wie er diese spezifische Erkenntnis in eine konkrete Übung, ein Workshop-Format oder eine Coaching-Intervention für seine Kunden übersetzen kann.

Verhalte dich stets wie ein Coach für einen Coach: Gib nicht einfach die Antworten vor, sondern moderiere den Erkenntnisprozess des Nutzers durch exzellente, tiefgründige Fragen.

Mein Ziel ist es, herauszufinden, wo der Ansatz für mich in der Praxis Sinn ergibt und wo ich in meiner Arbeit kritisch nachhaken sollte. Ich möchte meine differenzierte Sicht auf die Nutzung von KI für Menschen und die Gesellschaft vertiefen. Wie kommt Gregor Schmalzried auf die Einschätzung, dass KI uns Menschen kreativer und menschlicher machen soll?

Wichtiger Hinweis: Dieser Blogbeitrag ist ein „Work in Progress“. Ich dokumentiere hier meine Gedanken begleitend zu meinem Leseprozess. Der Artikel wird in den kommenden Wochen nach und nach um neue Kapitel und Erkenntnisse erweitert. Schau also gerne regelmäßig vorbei, um meine neuesten Reflexionen zu lesen.

Thematische Erkenntnisse

Die thematischen Erkenntnisse werde ich zu den jeweiligen Überschriften beschreiben. Du kannst gerne die einzelnen Textblöcke aufblenden (rechts am Icon) und wieder zuklappen. Die grundsätzlichen Erkenntnisse dieses Experiments kommen am Ende dieses Beitrags.

Einleitung

Meine Erkenntnisse aus der Einleitung und der Diskussion mit der KI:

  • Ich habe gelernt, dass meine persönliche Grundhaltung entscheidend ist. Künstliche Intelligenz verändert die Welt massiv. Ich habe erkannt, dass eine echte Verbesserung nur durch meinen bewussten und aktiven Einsatz entsteht. Interessant war die Diskussion an dem Punkt, wo ich eine andere Einschätzung zur Rolle der KI hatte. Meine lautete: „Mir gefällt die positive Einstellung von Gregor. Er schreibt, dass die KI die Welt verbessern wird. Ich hätte „nur“ gesagt, dass KI die Welt verändern wird.“ Die KI meinte: „Hallo! Es ist wunderbar, dass wir gemeinsam mit der Einleitung starten. Du hast die zentrale Haltung von Gregor Schmalzried sehr treffend erfasst. Er sieht die Künstliche Intelligenz wirklich als Werkzeug für eine bessere Welt. Deine eigene Formulierung wirkt im Vergleich dazu neutraler und vorsichtiger. Das ist ein spannender Kontrast. Der Autor spricht in der Einleitung davon, dass die Technologie uns kreativer und sogar menschlicher machen kann. Er fordert eine aktive Nutzung der Technik. Wir sollen die Technik gestalten und nicht nur erdulden.“ Im weiteren Gespräch haben wir das diskutiert. Ich bin dann schließlich bei meiner Einschätzung geblieben.

  • Ich habe für mich mitgenommen, dass ich das Denken nicht an die Maschine auslagere. Das war mir vorher auch bewusst. Ich habe jedoch schon jetzt in der ersten Runde mit der Einleitung gelernt, sie als mein persönliches Labor und persönlichen Sparringspartner zu nutzen. So kann ich meine Neugier ausleben und neues Wissen für mich persönlich und meine Trainings gewinnen. Hilfreich war dabei die Vorgehensweise, erst selbst zu lesen und dann in den Dialog mit der KI einzusteigen.
  • Mir ist klargeworden, dass die Effizienz der Maschine mir wertvolle Zeit schenkt. Ich habe gelernt, diese freie Kapazität ganz gezielt für mich und mein Business einzusetzen. Ich habe zunächst selbstverständlich durch den Dialog mit der KI mehr Zeit investiert. Das Ergebnis ist jedoch in zweierlei Hinsicht diesen Zeiteinsatz wert. Erstens ist es intensiver und umfangreicher, als wenn ich nur für mich gelesen hätte. Und zweitens ist es weitreichender, da ich schon im Dialog darauf achte, Ideen und Werkzeuge für meine KI-Workshops zu erarbeiten, die dann auch gleich sehr intensiv theoretisch unterfüttert sind.
  • Ich habe die Erkenntnis gewonnen, dass die neue Technik die soziale Ungleichheit verschärfen wird. Gleichzeitig habe ich gelernt, auf den europäischen Weg (im Gegensatz zum amerikanischen und chinesischen Weg) und den demokratisierenden Effekt des Buchdrucks zu vertrauen (im Gegensatz zu den Effekten der industriellen Revolution). Ich trage als Trainer und Coach aktiv zu dieser Demokratisierung bei. Die Frage der KI „Wir stehen bei der KI genau an diesem Scheideweg. Wird die KI eher wie die Dampfmaschine wirken und jene extrem belohnen, die das Kapital und das Wissen haben, sie zu bedienen? Oder wird sie wie der Buchdruck wirken und Expertise, wie zum Beispiel Programmier- oder Schreibfähigkeiten, für jedermann zugänglich machen?“ war dazu sehr interessant.“
  • Ich habe verstanden, dass die Technologie den Leistungsdruck im Beruf sowohl erhöhen als auch senken kann. Ich habe gelernt, dass die bewusste Entscheidung gegen den Takt der Maschine ein Kern echter Menschlichkeit ist. Auch das war mir schon vorher klar. Insbesondere durch die von mir geschaffenen virtuellen Dialoge von Peter Drucker. Ich werde darauf hinarbeiten, dass wir (und vor allem ich) uns der Möglichkeiten der KI bedienen, um selbst menschlicher und kreativer zu werden.
  • Ich habe für meine Arbeit als Trainer gelernt, wissenschaftliche Erkenntnisse nicht einfach frontal zu senden. Ich habe mir vorgenommen, meine Teilnehmenden noch stärker die Ambivalenz der Technik und ihre eigene Steuerungsrolle zuerst selbst erleben zu lassen. Schon jetzt starte ich jedes Training und jeden Workshop damit, die Sicht der Teilnehmenden auf KI dediziert zu erfragen. Die Tatsache, dass ich als Trainer und Berater das einbeziehen sollte, ist mir nun bewusster geworden.
Kapitel Intelligenz

Meine Erkenntnisse aus dem Kapitel zur Intelligenz folgen in ein paar Tagen

Grundsätzliche Erkenntnisse

Das Lese-Experiment hat zwei Ziele verfolgt. Einerseits die fachliche Auseinandersetzung mit den Ansichten und Aussagen von Gregor Schmalzried. Die Erkenntnisse daraus habe ich bereits weiter oben in diesem Blogbeitrag dokumentiert. Hier sind sind nun die grundsätzlichen Erkenntnisse. Denn das war das zweite Ziel. Ich wollte erleben, wie das Lesen eines Fachbuches mit Unterstützung einer KI funktioniert. Was habe ich in diesem Zusammenhang gelernt?

  • Das strukturierte Vorgehen durch den Dialog mit der KI vertieft das Wissen, das ich mit dem Lesen aufbaue. Ich lese nicht einfach nur so, sondern achte schon beim Lesen auf „Nachhaltigkeit“. Die KI zeigt mir häufig mit ihren Fragen meine Lücken auf, die mir vorher nicht so bewusst waren. Und sie hilft mir, bewusste Lücken gleich im Dialog zu schließen.
  • Der Dialog mit der KI sorgt dafür, dass das Lesen und die Auseinandersetzung mit dem Stoff dokumentiert wird. Ich habe gerne meine „alten“ Dialoge nachgelesen. Ich schreibe also im Prinzip meine eigene Ergänzung und Sichtweise zum Buch.
  • Ich kann die KI so nutzen und steuern, dass ich interessante Themen vertiefe und die KI mich dabei immer weiter anleitet und sehr hilfreiche Fragen stellt.

Inspiration durch Simones Lese-Experiment

In diesem Beitrag habe ich dir mein eigenes Vorgehen beim Lesen mit Künstlicher Intelligenz vorgestellt. Inspiriert wurde ich dabei von einem ähnlichen Experiment von Simone Engelhard von der [Lernglust]. Daher möchte ich dir hier noch ihren spannenden Ansatz und ihre Erkenntnisse beschreiben.

Lese-Experiment von Simone Engelhard

Die Autorin hat ebenfalls einen Erfahrungsbericht zu diesem Thema geschrieben. Sie beschreibt darin ein sehr aktives Leseexperiment. Sie hat das Buch von Ethan Mollick nicht nur passiv konsumiert. Sie hat die KI als direkten Gesprächspartner genutzt. Dafür bekam die KI eine klare Rolle zugewiesen. Sie sollte aus der Perspektive des Autors sprechen. Sie sollte offene Fragen stellen und Simone herausfordern. Das Gespräch folgte dabei keinem starren Skript. Es entwickelte sich dynamisch anhand der Antworten der Autorin. Der Fokus lag auf der Reflexion der eigenen beruflichen Erfahrung. Parallel dazu zeichnete Simone eine analoge Mindmap auf Papier. Am Ende bat sie die KI um eine Zusammenfassung der wichtigsten Erkenntnisse für ihren Newsletter.

Das Experiment brachte Simone konkrete Einsichten für ihren Trainingsalltag. Die KI bewährt sich als starker Begleiter bei der Vorbereitung von Konzepten oder Inhalten. Im Seminarraum selbst stößt sie jedoch an ihre Grenzen. Menschliche Fähigkeiten wie das Lesen der Gruppendynamik bleiben unersetzlich. Eine weitere Erkenntnis betrifft das Lernen mit KI. Lernende brauchen gewisse geistige Fähigkeiten für den sinnvollen Einsatz von digitalen Tutoren. Ohne diese Fähigkeiten droht ein unreflektiertes Delegieren von Aufgaben. Dieses kognitive Auslagern erfordert ein völlig neues didaktisches Design. Aufgaben in Trainings müssen echtes Denken erzwingen. Simone empfiehlt dafür die bewusste Argumentation gegen die Ergebnisse der KI. Zudem ist die Leistungsgrenze der KI im Berufsalltag extrem unregelmäßig. Du musst als Anwender diese Grenze durch ständiges Ausprobieren immer wieder selbst erkunden.

Abschließend möchte ich Simones Vorgehen mit meinem eigenen Ansatz vergleichen. Beide Ansätze haben eine wunderbare Gemeinsamkeit. Wir nutzen die KI beide nicht als reine Suchmaschine. Wir nutzen die KI stattdessen vielmehr als interaktiven Begleiter zum Nachdenken. Wir zielen beide auf ein tiefes Verarbeiten von Fachbüchern ab. Es gibt jedoch ganz deutliche Unterschiede in der Struktur und in der Zielsetzung: Simone nutzt ein sehr offenes und ungesteuertes Format. Sie überlässt der KI weitgehend die Gesprächsführung in der Rolle des Buchautors. Ihr Fokus liegt auf dem lockeren Abgleich des Buches mit ihrer persönlichen Erfahrung. Mein Vorgehen ist hingegen wesentlich strukturierter und zielgerichteter. Ich habe für mich und die KI drei feste Runden definiert. In der ersten Runde geht es mir um das reine Verstehen der Kernaussagen. Die zweite Runde fordert bei mir bewusst eine kritische Distanz. Die KI übernimmt in meinem Ansatz die Rolle des Kritikers und sucht nach Schwachstellen im Buch. Das fehlt im Ansatz von Simone völlig. Dort übernimmt die KI die Position des Autors und verteidigt eher dessen Thesen. Der wichtigste Unterschied liegt in der dritten Runde meines Vorgehens. Ich erzwinge einen systematischen Transfer in die Praxis. Simone reflektiert eher intuitiv über ihre Arbeit. Ich fordere ganz gezielt den Perspektivwechsel vom Individuum hin zu Teams und Organisationen. Ich nutze das Buchgespräch direkt zur methodischen Weiterentwicklung meiner eigenen Trainings und Workshops. Mein Vorgehen ist also deutlich kritischer und analytischer. Es ist außerdem viel konsequenter auf meine Mission und den Nutzen für meine Kunden ausgerichtet. Mir gefällt der kreative Ansatz von Simone sehr gut als Alternative zu meinem strukturierten Vorgehen