Mensch und Maschine im Dialog – Human-in-the-Loop bei Dierk Söllner

Minimalistische Grafik zweier Köpfe, die den Dialog zwischen Mensch und KI-Maschine symbolisieren.Die digitale und reale Welt verändert sich in atemberaubendem Tempo. Immer häufiger begegnen wir Texten, Bildern, Videos und Ideen, bei denen sicherlich nicht nur ich mich frage: Wer hat das eigentlich geschrieben: Ein Mensch oder irgendeine KI? Früher war diese Frage abstrakt und theoretisch. Heute ist sie täglich präsent und damit ganz praktisch. Sie betrifft meinen Alltag als Trainer und Berater ebenso wie unsere gemeinsame reale Arbeitswelt. Und diese Frage polarisiert. Das haben die Antworten auf meine Gedanken zum Jahreswechsel 2025/2026 gezeigt.

Ich erlebe diesen Wandel mit gemischten Gefühlen: Einerseits beeindruckt mich das Potenzial künstlicher Intelligenz auch für meine Arbeit. Ich nutze fast täglich ihre Geschwindigkeit, „Allwissenheit“ und scheinbar grenzenlose Kreativität. Andererseits spüre ich, wie leicht dabei etwas ins Rutschen gerät, das für meine Arbeit unverzichtbar ist: Vertrauen! Genauer gesagt das Risiko, dass Vertrauen in meine persönliche Kompetenz verloren geht. Vertrauen entsteht nicht durch Effizienz, sondern durch „menschliche“ Qualität. Durch echtes Zuhören in Trainings und Beratungsgesprächen, durch Verlässlichkeit in meine gelieferten Ergebnisse, durch Qualität meiner Arbeit, durch meinen Anspruch basierend auf meiner Mission: „Menschen und Teams stärken – empathisch und kompetent.“. Genau das macht die gesunde und nachhaltige Basis meiner Arbeit aus. Einerseits hilft mir die KI in meiner Arbeit, andererseits ist die Gefahr allgegenwärtig, dass ich mit KI-Ergebnissen „meinen guten Ruf“ schädige.Abstrakte Waage, die die Balance zwischen technischer KI-Effizienz und menschlichem Vertrauen darstellt.

Seit Beginn meiner Nutzung von KI frage ich mich auch, ob ich bei meinen Ergebnissen vermerken sollte, dass sie mit Hilfe von KI erstellt wurden. Die Antwort hat sich verändert und meine aktuelle Sichtweise erläutere ich am Ende dieses Beitrages.

Für mich bedeutet das konkret: Ich möchte nicht kurzfristigen Erfolg über langfristige Kundenbeziehungen basierend auf Vertrauen in mich stellen. Schneller zu sein ist nicht mein Ziel. Ich möchte nicht Zeit sparen oder mehr in der gleichen Zeit schaffen. Ich möchte bessere Ergebnisse liefern. Besser bedeutet „durchdachter“ und „differenzierter“. Deshalb sehe ich KI als hilfreiche Unterstützung meiner Arbeit und des oben erläuterten Anspruchs. Ich nutze KI differenziert und bewusst. Das möchte ich im Folgenden erläutern.

Prozessdiagramm zum Human-in-the-Loop Ansatz mit dem Mensch am Anfang und Ende der KI-Nutzung.Mein Ansatz zu Human-in-the-loop

So entstand mein persönlicher Ansatz des Human-in-the-Loop: Ich als Mensch bleibe im Mittelpunkt als Interpret, Entscheider, Impulsgeber. Wobei Mittelpunkt genauer gesagt Anfang und Ende bedeutet, wie man an der folgenden Grafik erkennen kann. Letzten Endes bin ich für mich selbst und meine Arbeit verantwortlich. KI kann mich inspirieren, Strukturen aufzeigen oder Gedanken anstoßen. Aber sie ersetzt nicht das sinnvolle Fragen, die Einschätzung über hilfreiche sowie nützliche Ergebnisse und den gemeinsamen Austausch. In dieser Balance zwischen Technologie und menschlichem Bewusstsein liegt für mich die eigentliche Zukunft von Training, Beratung und Zusammenarbeit.

In meinen Trainings und Beratungsaufträgen für KI habe ich daher die folgende Folie ergänzt. Sie zeigt, wie ich mit KI arbeite und meinen bis hierher dargelegten Ansätzen Rechnung trage.

Inspiration durch Gespräche in Projekten und Trainings

In Projekten und Trainings erlebe ich reale Gespräche: Ich höre zu, stelle (oder beantworte) Fragen, beobachte Reaktionen in Trainings und sammle die Themen, die meine KundInnen wirklich bewegen. Aus diesen Erlebnissen entstehen die Fragestellungen, die ich später mit KI weiterdenke und weiterentwickle.Netzwerkdiagramm, das den Austausch und reale Gespräche als Impulsgeber darstellt.

LinkedIn-Beiträge und Newsletter aus meinem Netzwerk

Neben diesen realen Erlebnissen nutze ich LinkedIn-Beiträge und Newsletter aus meinem Netzwerk als zweite Quelle für fachliche Weiterentwicklung: Dort spüre ich, welche Trends sich verdichten, welche Herausforderungen wiederkehren und welche Perspektiven KollegInnen einbringen. Das können einzelne Begriffe sein oder auch ganze Beiträge mit wichtigen Aussagen. Ich vertraue dabei bewusst nur Stimmen, die ich kenne und schätze, denn meine inhaltliche Linie soll aus verlässlichen und gewachsenen Kontakten sowie geteilten Erfahrungen entstehen, nicht aus austauschbaren Standardformulierungen.

Lupe über einem Dokument, die die sorgfältige Auswahl kuratierter Quellen symbolisiert.Marktentwicklungen und -angebote

Gleichzeitig beobachte ich aufmerksam Marktentwicklungen und neue Angebote in der IT-, Trainings- und Transformationswelt, um meine KundInnen fundiert begleiten zu können. KI hilft mir später, Informationen zu strukturieren, doch die Entscheidung, welches Angebot sinnvoll ist und was nur ein kurzfristiger Hype wäre, treffe ich selbst. Ich entscheide, was ich in meine Trainingsunterlagen übernehme und wo ich Beratungsaussagen ergänze. Ich lege dabei Wert auf die langfristige Wirksamkeit für Menschen und Organisationen, nicht auf viele Klicks oder Likes.

Recherche und Wissensaufbau mit Perplexity

Auf dieser Grundlage starte ich gezielte Recherche-Dialoge mit Perplexity: Ich nutze diese KI, um unterschiedliche Quellen zu bündeln, Perspektiven zu vergleichen und Gedanken weiterzuspinnen. Dabei bleibe ich bewusst Human-in-the-Loop, prüfe Quellen, hinterfrage Antworten und übernehme nur das, was in meine Werte, meine Erfahrung und das Vertrauensverhältnis zu meinen KundInnen passt: Effizienz ist willkommen, ersetzt aber nie Verantwortung. Gerne wiederhole ich meine Aussage von oben: Ich möchte bessere Ergebnisse erzielen, nicht schneller werden. Äußerst selten nutze ich die angebotenen Fragen oder Hinweise der KI am Ende einer Antwort auf meine Prompts. Ich verarbeite die Aussagen mit meinem Wissen und überlege, wie ich weiter vorgehe. Auch wenn andere KI-Chatbots mittlerweile auch Quellen liefern können, ist Perplexity hier am hilfreichsten. Manchmal erschlägt mich die Anzahl der gelieferten Quellen. Das macht die Auswahl und Prüfung der Quellen auf Korrektheit, Nützlichkeit und Relevanz langwieriger.

Die Möglichkeit von Perplexity, mittels Spaces die eigene Arbeit zu strukturieren und spezielle Vorgaben zu machen („Custom Instructions“) ist dabei sehr hilfreich. Sie verschafft mir die Möglichkeit, verschiedene Themen unterschiedlich anzugehen.

KI-Agenten zu ausgewählten Themen

Für wiederkehrende Themen nutze ich spezialisierte KI-Agenten, die aus vertrauenswürdigen Quellen Inhalte aufbereiten und aktuell halten. So gewinne ich Vielfalt und Struktur, ohne meine Haltung aufzugeben: Die KI liefert Vorschläge, aber ich kuratiere, gewichte und entscheide, weil meine KundInnen sich auf meine persönliche Einschätzung verlassen und nicht auf die gewählte Version eines Modells. Damit ich nicht zu viel Zeit in diesen Aspekt stecke, habe ich eine natürliche Begrenzung. Ich habe maximal 4 Agenten laufen, die höchstens ein Ergebnis pro Tag bringen, nämlich für meine „Werktage“ Montag bis Donnerstag. So kann ich den Fokus auf meine tägliche Arbeit behalten und mein Posteingang bleibt weiterhin überschaubar.

Dokumentation, Konzeption und Aufbereitung

Am Ende fließen die gesammelten Eindrücke, Impulse, Marktinformationen und KI-Ergebnisse in meine Dokumentationen, Konzepte und Materialien ein, die ich für Trainings, Beratungen oder Vorträge aufbereite. Gerade hier zeigt sich mein Verständnis von Human-in-the-Loop: Ich nutze digitale Tools zur Strukturierung und Formulierung, aber jede Aussage, jede Folie und jedes Beispiel trage ich persönlich mit. Das bedeutet fast ausnahmslos auch manuelle Pflege von Dokumenten. Langfristige Kundenbeziehungen auf Basis fachlicher Expertise entstehen nur, wenn Menschen spüren, dass da wirklich ein Mensch hinter der Arbeit steht.

Dokument mit Hinweisschild, das Transparenz bei der Nutzung künstlicher Intelligenz zeigt.KI als Quelle angeben?

Nun zur Antwort auf meine Frage vom Beginn des Beitrags: „Soll ich bei meinen Ergebnissen angeben, dass sie mit Hilfe von KI erstellt wurden?“ Zu Beginn meiner Arbeit mit KI war mir das etwas peinlich. Mit einem hohen Anspruch an mich selbst wollte ich nicht offensichtlich zeigen, dass ich künstliche Intelligenz nutze. Wie kann ein erfahrener Berater und Trainer KI nutzen? Weiß er das nicht selbst?

Über die Zeit habe ich dann schrittweise meine Einschätzung geändert. Ich habe zunächst beispielsweise in Trainingsunterlagen auf dem Deckblatt einen Hinweis gegeben, dass mich KI beim Erstellen unterstützt hat. Heute vertrete ich die Meinung, dass die Nutzung von KI ein Zeichen von Professionalität ist. Ein Berater oder Trainer, der sich keine Unterstützung von KI holt, arbeitet im Jahre 2026 unprofessionell. Denn genauso, wie ich mich persönlich und fachlich mit Büchern, Artikel, Blogbeiträgen, Trainings und einem Austausch unter KollegInnen fortbilde, ist die Nutzung von KI zu sehen. Wenn ich beispielsweise Aussagen eines Artikels oder eines Blogbeitrags in meine Trainingsinhalte aufnehme, ist das aus meiner Sicht identisch zu sehen, als wenn ich diese Aussagen von einer KI bekomme, selbstverständlich mit Prüfung der Quelle durch mich.

Bei LinkedIn habe ich dazu einen interessanten Beitrag gefunden. Die folgende Grafik ist aus diesem Beitrag.

Die Grafik von Dr. Sven Lüder (www.ki-lehren.de) zeigt ein Spektrum der Mensch-KI-Kollaboration. Die Abstufung hilft mir, meine Einstellung regelmäßig zu überprüfen und bewusst einzelne Stufen auszuwählen.

Das Spektrum: Von KI-frei bis KI-automatisiert

Die Grafik stellt sechs Stufen dar, die zeigen, wie stark KI an der Entstehung eines Textes oder Ergebnisses beteiligt ist. Je weiter rechts auf der Skala, desto mehr übernimmt die KI die Arbeit. Gleichzeitig nimmt der menschliche Gestaltungsanteil ab.

Stufe 1: KI-frei

Auf dieser Stufe arbeite ich vollständig ohne KI-Beteiligung. Ich schreibe selbst, nutze eigene Quellen, formuliere eigenständig und setze handwerkliches Können ein. Das Ergebnis ist zu 100% mein geistiges Eigentum. Das ist fast ohne Ausnahmen bei meinen E-Mails der Fall. Da ich hier direkt und persönlich mit Menschen kommuniziere, die ich kenne oder mit denen ich zusammenarbeite, möchte ich selbst beim Schreiben auf mein Gegenüber einstellen.

Stufe 2: KI-unterstützt

Hier nutze ich KI als Impulsgeber, zum Beispiel für Recherche oder Brainstorming. Die KI liefert Rohmaterial, aber ich entscheide, was ich davon verwende, und ich formuliere den fertigen Text selbst. Das ist der Fall, wenn ich kleinere Texte, Überschriften oder Untertitel zu Produkten oder Angeboten suche. Oft lasse ich mir dann mehrere Vorschläge geben und wähle einen aus oder kombiniere verschiedene.

Stufe 3: KI-kollaboriert

Auf dieser Stufe arbeite ich gemeinsam mit der KI. Die originelle Idee kommt von mir, aber im iterativen Dialog entwickeln wir den Inhalt gemeinsam weiter. Beide Seiten leisten einen wesentlichen Beitrag zum Ergebnis. Diese Stufe liefert im Vergleich zu den beiden vorherigen schon einen richtigen Vorteil. Die KI ist dann ein Sparringspartner, so wie ich ihn brauche. Ich bitte dabei die KI häufig um eine kritische Sicht. Manchmal schalte ich auch das gewählte Modell bei Perplexity um, wechsle beispielsweise von Gemini zu Claude.

Stufe 4: KI-kuratiert

Hier erstellt die KI einen vollständigen Entwurf, den ich dann substanziell überarbeite. Ich bin also nicht mehr der Erstautor, aber ich forme und verantworte das finale Ergebnis durch meine redaktionelle Arbeit. Diese Stufe kommt bei mir zum Einsatz, wenn ich längere Texte erstelle. Ich formuliere etwas länger am Prompt und bitte die KI auch um Veränderungen. Die Ergebnisse werden dann mit Word oder Powerpoint nachbearbeitet. Gerne setze ich dort auch verschiedene Texte zusammen.

Skala von Mensch zu Maschine, die verschiedene Stufen der KI-Kollaboration darstellt.Stufe 5: KI-generiert

Die KI führt den Auftrag vollständig aus. Ich prüfe das Ergebnis und gebe es frei, greife aber inhaltlich kaum noch ein. Meine Rolle verlagert sich vom Autor zum Qualitätssicherer. Das kommt in meiner Praxis sehr selten vor. Bei internen Dokumenten wie Marktanalysen oder Produktentwicklungsplänen arbeite ich vermehrt mit Perplexity Computer, um fertige Konzepte zu bekommen. Diese gehen nicht nach außen.

Stufe 6: KI-automatisiert

Das ist die höchste Stufe der Delegation. Die KI arbeitet eigenständig, etwa über Agenten-Workflows, und ich bin nur noch in Ausnahmefällen involviert. Das Ergebnis entsteht praktisch ohne mein direktes Zutun. Diese Stufe setze ich nicht ein und kann mir das derzeit auch nicht vorstellen.

Verantwortung und Prozess

Die Grafik unterscheidet außerdem zwei nützliche Perspektiven. Unter dem Fokus Verantwortung frage ich mich: Ist die KI mein Werkzeug, mein Co-Autor oder mein Ghostwriter? Unter dem Fokus Prozessphase frage ich: Setze ich KI für Recherche, Strukturierung, Formulierung oder Redaktion ein?

Warum diese Differenzierung für mich wichtig ist

Für mich als Trainer und Berater ist diese Unterscheidung aus drei Gründen bedeutsam. Erstens schafft sie Ehrlichkeit und Vertrauen, weil ich transparent mache, wie ein Ergebnis entstanden ist. Zweitens kläre ich damit meine eigene Urheberschaft. Drittens bildet sie die Grundlage für eine faire Leistungsbewertung, was besonders in Bildungskontexten und bei Kundenprojekten eine wachsende Rolle spielt.

Abschluss und Ausblick

Mein persönliches Fazit

Wenn ich nach vorne blicke, wird mir eines immer bewusster: Diese rasante technologische Entwicklung fordert uns heraus, aber sie nimmt uns nicht die Verantwortung ab. Sie verlangt von uns mehr Bewusstsein denn je. Als ich diesen Blog gestartet habe, ging es mir genau darum: fundiertes Wissen zu teilen und gleichzeitig den echten, menschlichen Austausch zu pflegen. Und genau hier liegt auch meine Antwort auf die Frage nach dem Umgang mit KI. Diese Antwort vertrete ich einerseits für mich selbst und andererseits in Coachings, Schulungen und Beratungsprojekten.

Mein Versprechen an meine KundInnen

Meine Mission ist und bleibt es, Menschen und Teams nachhaltig zu stärken,  mit fachlicher Kompetenz, und vor allem mit echter Empathie. Die KI ist für mich ein kraftvoller Begleiter geworden, ein kreativer Sparringspartner, der mir hilft, meine Gedanken zu schärfen und meine Arbeit für meine KundInnen noch wertvoller zu machen. Aber sie wird niemals den Moment ersetzen, in dem ich meinen Coachees gegenübersitze oder im Training fachliche Erklärungen mit meiner persönlichen Erfahrung rüberbringe.

Unser gemeinsamer Weg

Deshalb möchte ich an dieser Stelle völlig transparent sein: Ja, ich nutze KI. Ich nutze sie bewusst, differenziert und immer als „Human-in-the-Loop“. Ich bleibe der Autor meiner Gedanken, der Gestalter meiner Lösungen und der Mensch, dem du dein Vertrauen schenkst. Meine Bitte hier und in unserem beruflichen Kontakt lautet: Lass uns diese faszinierenden Möglichkeiten bewusst und gemeinsam nutzen. Wir sollten alles daransetzen, um als Menschen noch besser zusammenzuarbeiten. Ich freue mich darauf, diesen Weg mit dir weiterzugehen und bin gespannt auf deine Gedanken dazu.